Teilzeit für Männer deine Chance

Teilzeit für Männer

Teilzeit für Männer ist eine unterschätze Chance sich selbst zu finden, zu wachsen und die wichtigen Dinge im Leben zu erkennen. Steig aus dem Hamsterrad aus und finde deinen eigenen Weg, der dich glücklich macht.

Teilzeit für Männer

Teilzeit für Männer ist eine unterschätze Chance sich selbst zu finden, zu wachsen und die wichtigen Dinge im Leben zu erkennen. Steig aus dem Hamsterrad aus und finde deinen eigenen Weg, der dich glücklich macht.
Ein Gastbeitrag von

Teilzeit ist eine Chance, die viele Männer nicht erkennen

Weniger arbeiten als 40 Stunden pro Woche? Auf diese Idee bin ich bisher wirklich noch nie gekommen. Die meisten von uns Männern haben doch, obwohl sie sich moderner fühlen, unbewusst trotzdem den Drang, so erfolgreich wie möglich zu sein. Und das möchte man nicht riskieren, indem man weniger als das Maximum gibt.

Überstunden werden gesellschaftlich zwar immer seltener als notwendige Pflicht gesehen, aber als Mann weniger als eine Vollzeitstelle zu haben, oder als Selbständiger weniger als Vollauslastung, bringt auch heute noch unweigerlich Fragen, Bewertungen und Zweifel mit sich.

Aus dem ZEIT-Magazin 44/2019: Männer in Teilzeit: Männer arbeiten nicht gerne halbtags. Vor allem nicht für ihre Familien […] Fragt man Frauen, warum sie in Teilzeit arbeiten, geben die meisten als Grund die Familie an – Kinder müssen betreut, Angehörige gepflegt werden. Für Männer sind familiäre Verpflichtungen nur bedingt ausschlaggebend: Sie arbeiten auch häufig deshalb nicht die volle Stundenzahl, die in ihrem Betrieb üblich ist, weil sie eine Aus- oder Fortbildung machen oder weil sie keine Vollzeitstelle finden konnten. Doch oft kommt das nicht vor: Nur elf Prozent der Männer arbeiteten 2018 in Teilzeit, dagegen 48 Prozent der Frauen. […]

Wie bin ich hier gelandet?

Ich bin jetzt 35 Jahre alt. Wenn ich zurückblicke, habe ich beruflich einige Entscheidungen getroffen, die zum jeweiligen Zeitpunkt risikoreich waren und auch meistens keinen direkten, offensichtlichen Aufstieg oder eine Verbesserung dargestellt haben. Mein Umfeld hat mir das auch regelmäßig so gespiegelt, dass ich sie vielleicht überdenken sollte. Mit Blick auf das große Ziel habe ich diese Entscheidungen trotzdem getroffen und alle haben sich letztlich ausgezahlt. Mit dem Ergebnis, dass es irgendwie immer „höher, schneller, weiter” ging, obwohl ich das gar nicht bewusst verfolgt hatte, oder zumindest so dachte. Immerhin bin ich immer dem gefolgt, worauf ich Lust hatte und wohin es mich gezogen hat.

Teilzeit für Männer

Das böse Erwachen

Nun habe ich mich jahrelang mit dem Gedanken wohl gefühlt, dass ich in dem ganzen Hamsterrad nicht mitmachen würde, weil ich ja schließlich immer mal wieder anders gehandelt habe, als erwartet wurde. In diesem Jahr ist es mir dann schlagartig aufgefallen: Du machst es genauso! Du hast es nur nie gemerkt! Das war ein größerer Schock, als man denken würde.

Ans Licht gekommen ist es dadurch, dass ich mich immer unwohler fühlte und jahrelang keinen Platz für mich selbst hatte, zwischen Verpflichtungen im Job und Verpflichtungen gegenüber der Familie. Zumindest hat es sich so angefühlt. Nach meiner Scheidung wusste ich dann zumindest: okay, die Familie ist schon mal nicht das Problem gewesen. Es könnte doch an meiner Einstellung liegen.

Die Frage, die Du dir stellen solltest

Wenn man sich morgens die Frage stellt, was man machen möchte, und das ständig von dem abweicht, was man machen soll oder von einem erwartet wird, dann geht das auf Dauer nicht gut. Das ist meine persönliche Erfahrung, die sich immer wieder bestätigt. Ein großer Teil der Erwartungen kommt zwar meist von einem selbst und wird auf andere projiziert, das Ergebnis ist aber das gleiche – der Druck.

Stattdessen kannst Du dich doch fragen: Wieviel brauche ich wirklich? Und daraus kannst Du ermitteln, wieviel Zeit Du dir zurückkaufen kannst. Und dann einfach entscheiden, was dir wichtiger ist.

Das könnte Zeit für das sein, was dir morgens nach dem Aufwachen eingefallen ist, worauf Du wirklich Lust hättest. Es muss ja auch nicht unbedingt bezahlt sein. Zeit für Gedanken, Ideen und persönliche Entwicklung. Zeit für die Familie, ohne mit der persönlichen Zeit zu konkurrieren.

Mit diesem Freiraum für sich selbst, fühlen sich die „Pflichten” plötzlich wieder machbar an.

Teilzeit für Männer

Jeder Mensch braucht regelmäßig ungeteilte Zeit für sich

Das gilt natürlich auch für Frauen. Wir haben (leider) immer noch keine neutralen Geschlechterrollen. Ich bin auch nicht ganz sicher, ob das im Sinne der Polarität zwischen Frau und Mann überhaupt erstrebenswert wäre. Und Frauen haben ohne Frage auch massiven Druck, die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen.

Der Druck der Männer, erfolgreich im Sinne dieser klassischen Vorstellungen zu sein, sollte aber auch nicht abgetan werden. Viele Männer unterschätzen die Arbeit der Frauen, ob in der Berufswelt oder zu Hause. Aber auch Frauen unterschätzen zeitweise, dass der Mann es nicht unbedingt einfacher hat, auch wenn er morgens das Haus verlassen kann und vielleicht die Frau mit Haus, Kindern und Chaos alleine lässt (sorry für den plumpen Stereotyp). Vielleicht würde er auch lieber anders handeln, aber muss seinen Beitrag leisten. In der Form, wie er es gelernt hat und wie es die Gesellschaft (und er selbst!) immer noch von ihm erwarten.

Ein älterer Artikel aus der SZ von 2010, aber viel geändert hat sich seitdem nicht:

[…] Zu hören bekommt Klaus Gruber stets, wie großartig es sei, was er da tut. Nachmachen will es aber keiner: Er betreut die Kinder, während seine Frau Karriere macht. […]

Vollgas und dann mit 40 in Rente (Frugalismus)

Für das Alternativmodell zur Teilzeitarbeit, ich nenne es mal „Vollgas und dann mit 40 in Rente“ – andere nennen es Frugalismus, fühle ich mich regelmäßig zu alt. Und es gefällt mir auch nicht, alles auf später zu verschieben. Immer mit dem Risiko, dass es vielleicht gar kein später gibt, wenn man Pech hat.

Teilzeit für Männer

Nur das Hier und Jetzt zählt

Das „hier und jetzt” zu genießen, im Moment zu sein, Mindfulness, all das hat Hochkonjunktur und es wird auch Zeit dafür. Es heißt auch auf sich selbst zu hören.

Was brauche ich? Welche Wünsche habe ich? Nur so kann man das Positive auch an andere ausstrahlen, wenn man sich selbst Raum gibt.

Wohin mit der ganzen frei gewordenen Zeit?

Deine neue Zeit ermöglicht dir Reflexion, Entspannung, Weiterentwicklung, bietet dir Raum für Kreativität und irgendwann wirst Du dir auch die Frage stellen: Was möchte ich eigentlich? Und bestimmt hast Du eine Idee, die Du schon länger ausprobieren wolltest. Nun hast Du genau diese Möglichkeit.

Es geht gar nicht darum weniger zu tun, sondern nur weniger von dem, was du nur aus der Pflicht tust. Würdest Du heute auch den selben Job in derselben Firma am selben Ort machen, wenn Du genügend Geld für den Rest deines Lebens hättest? Wenn deine Antwort >Ja< ist, dann beglückwünsche ich dich – Du machst alles richtig. Falls nicht, dann ändere etwas. Wenn der Knoten „höher, schneller, weiter“ einmal geplatzt ist, kannst Du auch mal einen Umweg gehen, der für Dritte vielleicht nicht zwingend logisch ist. Weil er nicht unmittelbar auf die nächste Stufe der Karriereleiter und zu noch mehr Erfolg führt.

Und vielleicht wird das am Ende dein größter Erfolg!